VSG-Vorstand-Gedanken

Gedanken zur Zeit

Vereinssport heute noch zeitgemäß?

Ein Stimmungsbild aus der Sicht der Mitglieder der VSG Altglienicke e.V. im Jahr 2006.

Die ersten Gründungen von organisierten bürgerlichen Sportvereinen liegen viele Jahrzehnte zurück. Mitte bis Ende des 19.Jahrhunderts entstanden aus Interessengruppen größere Vereine, die besonders im Bereich Turnen und Leichtathletik aktiv waren. Vereinsnamen wie z.B. Verein für Bewegungssport (VfB) oder Männerturnverein (MTV) entstanden zu dieser Zeit. Anfang des 20.Jahrhunderts entwickelte sich parallel zum bürgerlichen Sport der organisierte Arbeiter- und Breitensport, in dem auch der Frauen- und Kindersport eine wichtige Rolle spielte.In Altglienicke verlief die Entwicklung der Sportvereine ähnlich. Hatte sich 1883 der MTV Spieß als bürgerlicher Männerturnverein gebildet, so kamen ab 1906 weitere Sportvereine dazu, die sich mehr dem allgemeinen Breitensport in verschiedensten Sportarten verschrieben hatten (die Wurzeln der heutigen VSG Altglienicke). Viele Menschen fanden in den Zeiten nach dem 1. Weltkrieg, der Weimarer Republik und der Inflationsjahre Halt in den Sportvereinen.In der Zeit ab 1933 existierten einige Verein weiter, die auch nach dem Beginn des 2. Weltkrieges allgemeinen Sport und Wettkampfsport ausüben konnten. In Altglienicke waren noch der MTV Spieß sowie der Altglienicker Ballspielclub existent.Nach dem Kriegsende wurden alle existierenden Sportvereine durch die Alliierten aufgelöst. Trotzdem begannen sich die Sportler auf kommunaler Ebene sofort wieder zu organisieren. Es existierten Sportsparten ohne Dachvereine. Die Bildung von Sportvereinen wurde erst im Jahr 1949 durch die Siegermächte wieder gestattet. In diese Zeit fällt auch die Gründung des Altglienicker Sportvereins (ASV), der sich ab 1946 in der Gaststätte Ebel das erste Mal konstituierte und sich im Sommer 1949 gründete. Sehr schnell fand man zum Ende der 40er-Jahre zur Normalität zurück und der Sport gab vielen Menschen neue Kraft in der schweren Nachkriegszeit. Mit einfachsten Mitteln wurde Sport betrieben aber mit unglaublicher Freude und einem neuen Zusammengehörigkeitsgefühl. Ab Ende 1949 beeinflusste die Politik wieder den Sport unter neuen Aspekten. In der neu gegründeten DDR mussten sich Vereine als Gemeinschaften umbenennen und der Sportbetrieb mit Mannschaften aus Westdeutschland oder Westberlin war nicht erwünscht. Der Altglienicker Sportverein nannte sich 1952 in VSG Altglienicke um. Ab dem 13.August 1961 gab es dann aus den bekannten Gründen keinerlei Kontakt mehr zu Westberliner Sportvereinen. Die Entwicklung der Sportvereine in beiden Deutschen Staaten verlief unterschiedlich. In der Bundesrepublik wurden die Strukturen der bestehenden Vereine beibehalten. Hier zeigten sich im Laufe der folgenden Jahre stark kommerzielle Tendenzen. Zielgerichtete Jugendarbeit mit dem Hintergrund der Gewinnerzielung, Fusionen von Vereinen zur Bündelung wirtschaftlicher Kräfte, Verdrängung der Vereinsidentität durch völlige Abhängigkeit von Sponsoren waren an der Tagesordnung. Diese Zielstellungen verdrängten teilweise den Familiencharakter in einigen Vereinen, die auch mit der Integration ausländischer Mitglieder ihr Gesicht stark veränderten. In der DDR wurden die neuen Sportgemeinschaften seitens der Regierenden arg beäugt. In der Tendenz wurde angestrebt, dass alle Gemeinschaften Volkseigenen Betrieben angegliedert werden sollten. Diese Tendenz erschien für beide Seiten nützlich. Die Staatsmacht konnte den Verein leicht kontrollieren und Mitglieder mit guten sportlichen Leistungen hatten bei etwas Cleverness ein recht vereinfachtes Arbeitsleben als BSG-Sportler mit der Perspektive als späterer BSG-Funktionär. Der Leistungssport bediente sich ebenfalls der kleinen Sportvereine, um Talente in die gebildeten Leistungszentren zu holen, die für das Land um Ruhm und Ehre kämpfen sollten. Die VSG Altglienicke schloss sich nie einem volkseigenen Betrieb an. Sie blieb bis zum Jahr 1990 immer eine private Sportgemeinschaft in der DDR. Die VSG erhielt keine Unterstützung aus betrieblichen Fonds erreichte aber trotzdem gute sportliche Erfolge, weil die Mitglieder sehr bodenständig waren und eine verschworene Gemeinschaft bildeten.Am 03.Oktober 1990 wird nach einer friedlichen Revolution in der DDR die Einheit Deutschlands wieder hergestellt. Die DDR schließt sich nach Artikel 23 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland an. Berlin wird wieder eine gemeinsame Stadt.Ein neues Zeitalter bricht für die Sportvereine der ehemaligen DDR an. Wie auf allen gesellschaftlichen Ebenen wurde das System der BRD auch auf den Vereinssport übertragen.Es war ein Glück für die VSG, dass die Struktur des Vereins lebensfähig war, denn sie entsprach vom Grundsatz her der Struktur des „eingetragenen Vereins“. Es gab in der VSG auch eine große Anzahl ehrenamtlicher Mitarbeiter, die wie gewohnt ohne Vergütung ihre Arbeit machten. Da hatten andere Vereine im Osten ganz andere Sorgen, deren Führungskräfte sich nach der Wende schnell aus dem Staube machten. Viele große BSG-Vereine hörten plötzliche einfach auf zu existieren. Die VSG Altglienicke lebte weiter. Der kleine Privatverein aus dem Osten, der sich in der Zeit der DDR nicht umbiegen lies, beschloss den Namen VSG Altglienicke weiter zu tragen, den Namen, der in den zurückliegenden 38 Jahren zusammenführte und zusammen hielt.Nach den Anfangsproblemen bei der Neuorientierung ab 1990 lief bei VSG wieder alles in den gewohnten Bahnen. Als man jedoch auf große Sponsoren und auf einige völlig abgedrehte Übungsleiter aus dem Westen setzte, die mit grandiosen Gedanken alles verändern wollten, wäre man fast daran zerbrochen. Heute im Jahr 2006, also 100 Jahre nach der Gründung der ersten allgemeinen Sportvereine in Altglienicke, ist die VSG ein solider Verein, der wie immer den alleinigen satzungsgemäßen Vereinssport sowie das Vereinsleben in den Vordergrund stellt.In den Jahren ab 1990 haben sich die Aufgaben für den Verein immer erweitert. Dabei werden die Vereine in letzter Zeit mit einem unerträglichen Bürokratismus wie Steuerrecht, Versicherungen Nachweise, Listenführen überschüttet, von Einbrüchen, Diebstählen, Beschädigungen ganz zu schweigen. Man fragt sich manchmal, ob man eigentlich unter diesen Bedingungen noch Vereinssport machen soll.

Wir sind der eindeutigen Meinung- JA!

Die VSG Altglienicke besitzt im Jahr 2006 ca. 800 Mitglieder in sieben Abteilungen. Es wird ehrenamtlich gearbeitet in einem der letzten funktionierenden Gemeinwesen in Deutschland- im Vereinsbreitensport. Mannschaftssport sowie gemeinsame Übungsgruppen sind unser Ziel. Körperliche Ertüchtigung, seelischer Ausgleich, Kommunikation, Austausch, Begegnung und Gemütlichkeit sind gewünscht. Die einzelne Person in der Gemeinschaft in ihrer Abteilung steht bei uns im Vordergrund. Der Verein ist uns zu jeder Zeit eine Heimstätte und ein Anlaufpunkt, so wie er es zu jeder Zeit und in jeder durchlebten Gesellschaftsordnung war. Die Tradition verpflichtet, sie muss jedoch gepflegt werden.

Berlin Altglienicke, Juli 2006

Bernhard Bieske, 1. Vorsitzender

Dieter Lange, 2.Vorsitzender

Mario Leist, Kassenwart

c VSG Altglienicke, 27.07.2006- B.Bieske